Mein (unser) Jakobsweg durch Frankreich: Sommer 2004

 

                  
       Rhonetal in der Hitze ( 38 °) um 19:00                          Jakobuskapelle am Weg

Die ersten beiden Etappen durch Österreich ( 2002) und Schweiz(2003) pilgerte ich alleine. Doch anscheinend war damit mein Thema mit dem Allein-Sein aufgearbeitet, denn kurz vor dem Schweizer Jakobsweg lernte ich Thorsten kennen und der Hlg. Jakob hatte auch dabei seine Finger im Spiel ( nachzulesen in meinem 2. Buch über die Schweiz).

Was soll ich sagen, er ist ein begeisterte Weitwanderer und war nur zu gerne bereit mich auf dem französischen Pilgerweg zu begleiten.
Im
Sommer 2004 pilgerte ich gemeinsam mit meinem Freund auf der Via Gebennensis und Via Podiensis von Genf bis St. Jean Pied de Port. Insgesamt legten wir gemeinsam in 37 Tagen 1050 km zurück.
Es beginnt mit dem herrlichen Blick vom Mont Salève auf den Genfer See, bei St. Blaise stoßen wir auf den GR65 und die ersten Jakobswegschilder.
Entlang der Rhone bei heißen 35 Grad pilgern wir durch mittelalterliche Städtchen, aber auch durch malerische Auen. Diesmal sind wir mit dem Zelt unterwegs, wobei mein Freund sich freiwillig einen 17 kg schweren Rucksack antut (er ist der begeisterte Camper :-)).

Das Schlafen im Freien ist für mich sehr gewöhnungsbedürftig und abenteuerlich, birgt jedoch auch viele schöne Sonnenuntergänge und einsame Plätze, Sternenhimmel. Dieser Sternenhimmel stimmt mich oft traurig, da ja im November 2003 mein Sohn gestorben war,
doch meist war er auch tröstlich, denn er ist ja nun ein "Stern" der mich überall begleitet. Den französischen Jakobweg hab' ich innerlich meinem Sohn Georg gewidmet.
Über Chavanny und Montefancon gelangen wir nach
Le Puy. Seit dem 10. Jhdt. Sammelpunkt der JakobspilgerInnen. So auch heute, hier stoßen viele PilgerInnen zu uns auf den Weg.
Thorsten besucht frühmorgens die Pilgermesse und bei der Segnung lernt einen Wienerin kennen. Ganz begeistert erzählt er mir davon und meint: "Die kennst Du sicher!" Als wir danach zur Pilgerherberge ( Grand Seminaire)gehen für unsere 2. Nacht in Le Puy, treffen wir sie. Kaum zu glauben, aber wir kennen uns wirklich von meinem Vortrag bei der Jakobsbruderschaft in Sulz und tauschen uns ganz begeistert aus. Von ihr kommt auch der Tipp mit dem Kloster in Conque. (siehe weiter unten)

Von nun an sind wir auf der Via Podensis unterwegs und weiter geht es über die Hochebene Aubrac, dann Espalion, Estaing nach Conques. Conque, diese wunderbare, mittelalterliche Stadt nimmt uns gefangen. Deshalb bleiben wir und übernachten im Kloster ( dies ist sehr empfehlenswert -Prämonstratenserorden) und genießen die Pilgermesse, Segnung und herrliche Orgelkonzert (abends sind die PilgerInnen ganz unter sich). Das Tympanon über dem Tor der Kathedrale ist einzigartig und ich könnte stundenlang die Geschichten die es darstellt, betrachten und mir sie erzählen lassen oder nachlesen.
Ein letzter Blick darauf als wir im Morgengrauen von dieser faszinierenden Stadt Abschied nehmen.
Figeac, dann wartet schon der nächste Höhepunkt auf uns: Cahors. Die imposante Kathedrale mit den 2 Rundkuppeln, Wehrtürme, 2 Stadttore, gut erhaltene Stadtmauern sind sehenswert. Hier holen uns die vielen Pilger am Weg ein, denn wir finden abends erst nach vorerst aussichtsloser Suche ein Zimmer. Die Herbergen sind überfüllt. Ja, ab und zu ( alle 4-5 Tage) bekomme ich ein richtiges Bett und ganz wichtig eine Dusche, denn in freier Natur ist das Wasser bei dieser Hitzeperiode sehr rar.
Die Hitze setzt mir auch auf dieser 3. Etappe sehr zu, denn abends ist es auch im Zelt stickig und heiß. Daher nehmen wir oft nur den Schlafsack. Fast jede Nacht gibt es ein Wärmegewitter, manchmal bauen wir dann noch um 3.00 Früh ganz schnell das Zelt auf.

Nach
Moissac, Condom, Nagaro erreichen wir das Baskenland. Wir stoßen auf baskische Grabsteine und erreichen den Stein von Gibraltar: hier vereinigen sich drei Jakobswege Frankreichs und nach dem steinigen Aufstieg ( Prozessionswege zur Chapelle de Soyarza) bezaubert uns der Ausblick auf die Pyrenäen im Sonnenlicht. Nun ist die Gewissheit da, wir werden unser heuriges Ziel erreichen. St. Jean Pied de Port liegt zu unseren Füßen und wir erreichen es nach einem zweitätigen Marsch über das Stadttor St. Jaques.
Ich bin froh das heurige Etappenziel geschafft zu haben ( Zahnschmerzen plagen mich), doch Thorsten ist ganz wehmütig, weil er am liebsten gleich die Pyrenäen in Angriff nehmen will. Doch vorerst ist die Heimreise mit dem Zug angesagt und die Arbeit ruft  auch wieder.
Das lange Gehen ist einerseits wunderbar, da die Wahrnehmung sich nach außen verlagert, aber auch oft nach innen und sich viele Dinge klären können, doch auch das Ankommen ist wunderbar und erfüllt uns mit großer Freude.
Der Pilgerweg ist für uns beide auch ein Prüfstein unserer Beziehung, denn wir verbrachten erstmals 37 Tage unterbrochen miteinander, meist ein Genuss, doch wurde es von uns beiden auch manchmal als anstrengend erlebt. Unterschiedliche Bedürfnisse, schmerzende Füße, große Hitze, da braucht es viel Toleranz um sich gut auszuhalten. Doch die positiven Dingen überwogen eindeutig und wir waren am Ende ganz sicher, dass wir Santiago de Compostela im nächsten Jahr gemeinsam erreichen werden.
Die Pilgerfreunde Vitus (CH) und Markus (D) teilten oft unseren Weg, unsere Befindlichkeit und  doch es gab immer wieder genug Zeiten um die Natur, Kultur und sich selbst zu genießen.

Jakobus wir kommen!
Aber sicher erst im Herbst, wenn es kühler ist. Das Auszeitjahr extra für die letzte Etappe des Jakobswegs 2005 ist schon in Planung.

                      
 mittlelalterliche Brücke am Weg                               wohlverdiente Siesta im Schatten        

Thorsten genießt den Blick auf die Pyrenäen   

      

          Chavanay bis Santiago 1631 km, jeder Schritt bringt uns näher nach Santiago!