Mein (unser) Jakobsweg durch Spanien: September 2005
Am 11.September starten wir in Saint Jean Pied de Port
und der "Weg nach Innen" beginnt wieder. In diesem Jahr sind wir ohne
Zelt unterwegs ( auf meinen Wunsch), denn am spanischen Jakobsweg gibt es viele
Herbergen und somit hat Thorsten weniger Gewicht am Rücken.
Zeitig in der Früh besuchen wir die Kirchen und bitten um Schutz auf unserem
Pilgerweg, danach geht es stetig aufwärts. Die Sonne kommt heraus, ich kämpfe
mit Kreislaufproblemen, doch wir erklimmen den Ibanetapass
und genießen einen herrlichen Rundum-Blick. Die höchste Stelle unserer
Pyrenäenüberquerung ist auf 1420m und fordert mich mit dem schweren Rucksack am
Rücken schon heraus. Nach dem Pass geht es nur mehr bergab und wir erreichen
Roncesvalles.
Die nächsten Tage geht es eher streckenmäßig eher bergab oder eben dahin. In
Zubiri kommt es wegen einer geschlossen Herberge im
nächsten Ort zu einem Pilgerstau. Wir schlafen mit 20 anderen PilgerInnen in
einer primitiven Sporthalle auf Holzbrettern, da die Plätze der Herberge heillos
überfüllt sind.
Nach Pamplona erklimmen wir den Alto de Perdon
(Passhöhe) mit dem gigantischen Windpark und den Metallfiguren am Gipfel. Ein
steiler Schotterweg führt uns bergab und vor uns PilgerInnen, hinter uns
PilgerInnen. Mal kurz ein Gebüsch suchen um sich zu erleichtern, wird eine
strategisch ausgeklügelte Maßnahme die nur klappt, wenn es Gebüsch gibt und
Thorsten Wache schiebt und mir die nächste PilgerInnenkolone ankündigt.
Den Umweg über die herrliche Kirche Eunate ( 3 km)
machen wir trotz der sengenden Hitze. Und es ist wirklich lohnend. Die Stimmung
in dieser Kirche ist unbeschreiblich. Kraftvoll bringt sie Gefühle in einer
Intensität ans Licht und wirkt doch ausgesprochen entspannend und meditativ.
In Puente la Reina schlendern wir die Pilgerstraße entlang und verzehren unser Abendessen direkt mit Blick auf die Brücke. In Estella nehmen wir uns Zeit für die wichtigsten Monumente, dann geht es weiter vorbei am Kloster Irache und dem Wasser-Weinbrunnen für PilgerInnen. da es schon nach 18.00 ist, ist er schon leer . Wir pilgern weiter bis Villamayor de Monjardin und übernachten in einer ausgezeichneten Herberge der niederländischen Christen. Da wir die letzten Pilger sind die ankommen, bekommen wir ein Zimmer für uns alleine. Ich kann unser Glück gar nicht fassen, denn bisher waren wir in Zimmern wo 50 Menschen reinpassten. Das I-Tüpfelchen - wir haben eine große Terrasse, die Thorsten gleich als Schlafplatz nützt.
Meine Annahme, dass es im September hier kühler ist, erweist sich als Illussion. Wir gehen komplett vermummt weiter, da die Sonne unerbittlich runterknallt. Wir erreichen Logrono, Navarrete und treffen auf einen österreichischen Pilger: Robert. Ich kämpfe seit den 1. Tagen mit geschwollenen Knöcheln und kann meine Wanderschuhe gar nicht fest schnüren. Thorsten , der Schatz nimmt mir für ein paar Tage meinen Schlafsack ab, um das Gewicht bei mir zu reduzieren. Mit Erfolg, meine Knöchel erholen sich langsam. Wir treffen immer wieder auf Robert erfreuen uns an seiner Gesellschaft.
In Santo Domingo de la Calzada kommen wir gerade recht zu einem Fest und so beschließen wir zu bleiben. Nach der Messe zieht die Prozession mit tanzenden Kindern und Musik, vielen prächtig gekleideten Menschen und der Figur des Heiligen, der gefeiert wird durch den Ort. Wir genießen das "Schauspiel" und besuchen danach die Kirche mit den lebenden Hühnern ( Hühnerwunder).
Jetzt geht es wieder stetig bergauf und wir nähern uns
Burgos. Als die letzte Anhöhe erreicht ist liegt uns Burgos zu
Füßen. Thorsten sagt was von :
" in 3 Stunden sind wir da!" Ich hab das Gefühl wir bewegen uns in langen
Umwegen der Stadt. Die Sonne steht schon ganz niedrig ung knallt uns in Gesicht
und wir trappeln an einer "Südost-Tangente" entlang an Kolonnen von LKW's
stundenlang weiter. Thorsten macht den Vorschlag den Bus zu nehmen, doch obwohl
ich fix und fertig bin, kommt das für mich gar nicht in Frage. Als wir nach 3
Stunden entlang der Südosttangente das Zentrum erreichen, geht bei mir gar
nichts mehr. Um 19.30 organisiert Thorsten eine einfache Pension, da die
Herberge schon voll ist.
Burgos ist beeindruckend, vor allem die Kathedrale und so bleiben wir einen
weiteren Tag. Auch auf Robert treffen wir wieder, doch er zieht nach einem
gemeinsamen Kaffeehausbesuch wieder weiter.
Die Pilgermengen werden immer mehr und wir pilgern stundenlang durch die
nordkastilianische Hochebene. Sehr karg, aber für mich trotzdem schön.
Auf dem Weg nach Leon besteigen wir einen Tafelberg, durchqueren stundenlang die
nächste Hochebene bis wir Fromista erreichen.
Nachdem wir uns geduscht und gestärkt haben, stoßen wir vor der Kirche auf eine
Hochzeit. Wir helfen beim Blumenschmuckabbau, da die Kirche gleich schließt und
so bekommen wir auch zwei Gestecke geschenkt. Die Blumen schmücken noch einige
Tage meinen Rucksack, bis ich auf das Grab eines deutschen Pilgers stoße, der
den Jakobsweg hier beendete. Dort deponiere ich mein Sträußchen. Macht mich
schon recht nachdenklich, aber der Weg fordert ja wirklich alle Kraft.
Die vielen herrenlosen Hunde, die verzweifelt Anschluss suchen, machen uns das
Herz schwer. In Bercianos vor der Herberge treffen
wir eine Australierin, die sich eines Hundes angenommen hat. Pablo, wir treffen
ihn und sein neues Frauerl immer wieder. Futter wird auch für ihn gekauft und so
kann er sich endlich mal satt fressen. Die Herberge, eine im traditionellen
Lehmbaustil ist sehr urig, aber gemütlich. Bei Sonnenuntergang gibt eine
gemeinsame Bet-Zeremonie in allen Sprachen- sehr berührend. Robert ist auch da.
In Leon treffen wir wieder auf den Hund Pablo und
beziehen unsere Betten im Pärchen-Saal ( es gibt auch einen Frauen-Zahl,
Männersaal) und erforschen die fantastische Kathedrale, wohl die schönste in
Spanien. Vor allem die wunderschönen Glasfenster und der Lichteinfall durch
diese begeistern mich.
Über Astorga, Rabanal del Camino (Pilgermesse mit
den Äbten) ersteigen wir im Finstern den 1504 m hohen Pass mit dem "Eisenkreuz"
Cruz de Ferro. Kurz
nach dem Sonnenaufgang erwartet uns Robert dort und ich füge nach
Pilgertradition meine Stein und ein Andenken an meinen Sohn Georg hinzu.
Nach einem letzten langen Aufstieg nach O Cebreiro, das erste galizische Dorf, geht es unentwegt steil bergab. Portomarin, dann Hospital de la Cruz und immer weiter durchs liebliche, grüne Galicien bis zum Monte Gozo. Im Morgengrauen pilgern wir die letzten km nach Santiago und kommen am 9.Oktober glücklich an unserem Ziel der Santiago Kathedrale an. Die Pilgermesse ist voller Pilgerinnen und Touristen. Ich begreif es noch gar nicht, dass ich nach 4 Jahren mein Ziel erreicht hab'.
Wir treffen auf Robert, denn wir vor einer Woche wegen Fußproblemen zurücklassen mussten und freuen uns riesig darüber. Peter, der Linzer, auf den wir immer wieder getroffen sind, ist auch da. Wunderschön, dass diese Pilgerfreunde auch Ihr Ziel erreicht haben.
Pablo, der Hund, hat nachdem er in einem Tierheim abgegeben wurde, einen neuen Herrn gefunden der ihn ganz sicher behalten will. So geht auch diese berührende Begegnung einem guten Ende entgegen.
Am nächsten Tag pilgern wir bei strömenden Regen weiter nach Finesterre. Robert, Peter, Beryll, Thorsten und ich erreichen nach 3 Tagen das "Ende der Welt". Wir gehen bis zum Leuchtturm, wo uns die Jakobsstatue erwartet, der Kilometerstein mit der Inschrift: 0,0km und der Feuerstelle, wo wir unsere alten Klamotten und Dinge, die wir zurücklassen, loslassen wollen verbrennen.
Der Abschluß ist ein herrlich gemütlicher, lustiger Abend im besten Fischrestaurant ( mit 3 Vegetariern, nicht ganz einfach diesen den Spaniern zu erklären) mit unseren Pilgerfreunden.
Dann geht es zurück nach Santiago um die Rückreise per Bus anzugehen.
Ein beeindruckender Weg, liebenswerte Begegnungen, Hitzeherausforderung, Pilgermassen, trotz Anstrengung Kraft getankt!!!
Wohin wird mich der Jakobsweg weiter führen?